Warum wir durch gesellschaftliche Erwartungen unsere Individualität verlieren.

Warum wir durch gesellschaftliche Erwartungen unsere Individualität verlieren.

Warum du mit Ende Dreißig auf den Dreckhaufen klettern solltest....

 

Im Herzen bin ich ein Dorfkind.

Und naja… ich lebe auch noch auf dem Dorf.

 

Und ich bin ehrlich: Ich bin unglaublich dankbar, dass mein Sohn genauso

aufwachsen darf.

Was wir Dorfkinder in den 90ern geliebt haben?

Draußen sein.

Mit dem Fahrrad die Freundin oder den Freund abholen und einfach los.

Die Gegend unsicher machen.

Und das absolute Highlight:

Ein riesiger Dreckhaufen.

Wir sind drauf geklettert, haben darin gewühlt, sind runtergerutscht, haben uns Geschichten ausgedacht.

Wir brauchten kein Spielzeug.

Wir waren den ganzen Tag beschäftigt.

Und abends?

Dreckig. Glücklich. Frei.

Heute war ich mit einer Freundin frühstücken.

Und genau darüber haben wir gesprochen.

Weil ihre Kinder gerade genau so einen Dreckhaufen in der Nachbarschaft haben.

Und ihn lieben.

Aber gleichzeitig gibt es Eltern, die ihre Kinder davon abhalten.

„Die könnten ja dreckig werden.“

„Das ist zu gefährlich.“

„Das macht man nicht.“

Ich musste lachen und habe gesagt:

„Wie schade ist das bitte? Das war doch das Beste früher…

Eigentlich sollten wir selbst da wieder raufklettern.

Scheiß drauf, was die anderen denken.“

Und genau da wurde es spannend.

Denn dieses „Das macht man nicht“…

zieht sich durch unser ganzes Leben.

Du willst dich beruflich weiterentwickeln?

Bist du dafür nicht zu alt?

Du willst alleine verreisen, obwohl du Familie hast?

Wie kannst du nur?

Du willst dein Business vergrößern – trotz Kind?

Arbeitest du nicht schon genug?

Du gibst deinem Kind auch mal Zucker?

Du hast keinen Thermomix?

Und genau hier möchte ich kurz innehalten.

Und dir ein bisschen von mir erzählen.

Ich bin Kosmetikerin.

Ich habe mich 2010 selbstständig gemacht.

Heute habe ich ein 220 qm großes Studio mit 9 Mitarbeiterinnen,

eine eigene Kosmetiklinie, einen Onlineshop,

ich bilde aus, bin stellvertretende Vorsitzende im Prüfungsausschuss der HWK Mittelfranken,

arbeite als Autorin für die BeautyForum, bin im Beirat,

gebe Seminare, Workshops und Consultings für andere Beauty-Dienstleister…

Und gleichzeitig bin ich Mama.

Seit 2015.

Ich bin verheiratet.

Und lebe immer noch in meinem Dorf.

Und weißt du was?

Mein Weg hat mich oft an die Grenzen gesellschaftlicher Erwartungen gebracht.

Ich bin wieder arbeiten gegangen.

Beim Rückbildungskurs hat mein Geschäft angerufen – nicht mein Mann, der mit unserem Sohn zuhause war.

Wenn mein Sohn krank ist, bleibt auch mal mein Mann oder meine Mutter bei ihm.

Nicht immer ich.

Und ganz ehrlich:

Ich möchte das weder rechtfertigen noch bewerten.

Wenn eine Frau sagt:

„Ich möchte mich voll und ganz auf meine Familie konzentrieren“ – ist das absolut richtig.

Und wenn jemand wie ich sagt:

„Das ist unser gemeinsames Kind. Ich bin gerade nicht da.“ – ist das genauso richtig.

Beides darf existieren.

Worauf ich hinaus will?

Wir sollten viel mehr Dinge tun, die uns wirklich guttun.

Auf den Dreckhaufen klettern.

Die Weiterbildung machen – egal in welchem Alter.

Zeit für uns selbst nehmen.

Unser Leben so gestalten, wie es für uns und unser Umfeld passt.

Ich sage immer:

Solange es meiner Familie und mir gut geht, machen wir nichts falsch.

Die gesellschaftliche Erwartungshaltung sorgt nur dafür,

dass wir uns klein halten.

Dass wir uns anpassen.

Dass wir Dinge nicht tun, weil wir denken:

„Das macht man nicht.“

Doch wer entscheidet eigentlich, was man macht?

Also:

Mach das, worauf du Lust hast.

Wachse. Entwickle dich.

Erlaube dir, du selbst zu sein.

Damit dein 80-jähriges Ich irgendwann zurückblickt und sagt:

„Ich bin auf den Dreckhaufen geklettert.

Und ich hatte verdammt viel Spaß dabei.“

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